Brasilien kämpft gegen EU-Fleischverbot, während die Handelskonflikte zunehmen

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Brasilien kämpft gegen EU-Fleischverbot, während die Handelskonflikte zunehmen

Brasilien versucht, ein neues EU-Verbot für Fleischeinfuhren rückgängig zu machen, nachdem europäische Behörden Bedenken wegen des Einsatzes von antimikrobiellen Mitteln in der Viehproduktion geäußert haben.

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Martina Osmak

Director of Marketing

Brasilien bezeichnet EU-Entscheidung als Überraschung

Brasilianische Beamte reagierten heftig, nachdem die Europäische Union dafür gestimmt hatte, die Einfuhr mehrerer tierischer Erzeugnisse aus Brasilien ab dem 3. September 2026 auszusetzen.

Die Beschränkung betrifft unter anderem folgende Produkte:

  • Rindfleisch

  • Geflügel

  • Eier

  • Honig

  • Aquakulturprodukte

  • Lebende, zur Lebensmittelerzeugung bestimmte Tiere

Brasiliens Botschafter bei der EU sagte, die Entscheidung sei unerwartet gekommen, insbesondere weil sie nur wenige Tage nach dem Inkrafttreten des EU-Mercosur-Handelsabkommens am 1. Mai erfolgt sei.

Brasilien hat bereits Gespräche mit der Europäischen Kommission aufgenommen, um seinen Exportstatus wiederherzustellen, bevor das Verbot in Kraft tritt.

Warum die EU Importe blockiert

Die Europäische Union sagt, das Problem hänge mit Vorschriften zu antimikrobiellen Mitteln in der Landwirtschaft zusammen.

Nach EU-Recht dürfen Antibiotika und andere antimikrobielle Substanzen nicht zur Wachstumsförderung oder zur Leistungssteigerung in der Tierproduktion eingesetzt werden. Die europäischen Behörden sagen, dass importierte Produkte denselben Standards entsprechen müssen wie Lebensmittel, die innerhalb der Union erzeugt werden.

Nach Angaben der Kommission hat Brasilien nicht genügend Garantien dafür geliefert, dass verbotene Substanzen während des gesamten Lebenszyklus der für den Export nach Europa bestimmten Tiere vermieden werden.

EU-Vertreter betonten, dass die Ausfuhren zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden könnten, wenn Brasilien die Einhaltung der europäischen Standards nachweist.

Handelsabkommen gerät früh unter Druck

Der Streit kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt für das EU-Mercosur-Abkommen, dessen Aushandlung mehr als zwei Jahrzehnte gedauert hat.

Das Handelsabkommen umfasst Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Es senkt Zölle auf viele Industrie- und Agrarprodukte und soll den Handel zwischen Europa und Südamerika ankurbeln.

Allerdings ist das Abkommen weiterhin umstritten.

Europäische Landwirte haben wiederholt argumentiert, dass Produzenten im Mercosur unter anderen Umwelt- und Tierschutzstandards arbeiten und dadurch einen unfairen Wettbewerb für die Landwirtschaft in der EU schaffen.

Der brasilianische Fall erhöht nun den politischen Druck in der Debatte um das Abkommen.

Tierschutzorganisationen fordern umfassendere Veränderungen

Mehrere Tierschutzorganisationen erklärten, die Diskussion müsse über das Thema Antibiotika hinausgehen.

Aktivisten argumentieren, dass intensive Haltungssysteme häufig stark auf antimikrobielle Medikamente angewiesen sind, weil Tiere unter beengten und stressreichen Bedingungen gehalten werden.

Nach Ansicht von Tierschutzgruppen könnten bessere Haltungsbedingungen, weniger Stress und mehr natürliche Lebensbedingungen für Tiere den Bedarf an antimikrobiellen Mitteln von vornherein verringern.

Einige Organisationen kritisierten auch das EU-Mercosur-Abkommen selbst und sagten, Europa solle keine Produkte importieren, die unter Standards erzeugt werden, die innerhalb der EU nicht akzeptiert würden.

Weltweite Gesundheitsbedenken wegen antimikrobieller Resistenzen

Gesundheitsexperten weltweit warnen seit Jahren vor antimikrobiellen Resistenzen, oft AMR genannt.

Wenn Antibiotika und ähnliche Medikamente in der Landwirtschaft übermäßig eingesetzt werden, können Bakterien resistent gegen Behandlungen werden. Diese resistenten Bakterien können sich dann über Lebensmittel, Tiere, Menschen oder die Umwelt verbreiten.

Die Weltgesundheitsorganisation betrachtet antimikrobielle Resistenzen als eine der größten globalen Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit.

Die Europäische Union schätzt, dass arzneimittelresistente Infektionen jedes Jahr rund 35.000 Todesfälle in Europa verursachen.

Aufgrund dieser Risiken führte die EU strengere Vorschriften für antimikrobielle Mittel für ihre eigenen Landwirte ein und weitete sie später auf importierte Produkte aus.

Brasilien verteidigt sein Agrarsystem

Brasilianische Behörden betonen, dass das Land über strenge Gesundheitskontrollen und international anerkannte Inspektionssysteme verfügt.

Regierungsvertreter hoben auch Brasiliens lange Geschichte landwirtschaftlicher Exporte nach Europa hervor und beschrieben das Land als einen der weltweit führenden Anbieter von tierischem Eiweiß.

Brasilianische Ministerien erklärten, dass die Exporte vorerst normal weiterliefen und dass die Gespräche mit den EU-Behörden andauerten.

Branchenverbände sind der Ansicht, dass noch genügend Zeit bleibt, um den Streit vor der Frist im September zu lösen.

Wie es weitergeht

Brasilien steht nun vor zwei Hauptaufgaben, wenn es den Zugang zum europäischen Markt erhalten will.

Das Land könnte strengere nationale Verbote für bestimmte antimikrobielle Substanzen einführen. Eine andere Option wäre die Verbesserung der Rückverfolgbarkeitssysteme, um nachzuweisen, dass exportierte Tiere die EU-Anforderungen vollständig erfüllen.

Beide Lösungen könnten erhebliche Anpassungen für Erzeuger und Exporteure erfordern.

Für die globalen Fleischmärkte ist der Streit ein weiteres Zeichen dafür, dass der Lebensmittelhandel zunehmend mit Gesundheits-, Nachhaltigkeits- und Tierschutzstandards verknüpft ist.

Quellen:

Brasilien kämpft gegen EU-Fleischverbot, während die Handelskonflikte zunehmen | MeatBorsa Nachrichten