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kein Ort sicher vor H5N1
Eine neue H5N1-Variante in der Antarktis zeigt, wie schnell die Vogelgrippe weltweit um sich greift — und warum europäische Geflügelbauern wachsam bleiben müssen.

Martina Osmak
Director of Marketing
Sogar die Antarktis ist nicht mehr sicher
Für lange Zeit schien die Antarktis durch die Distanz und das kalte Klima geschützt zu sein. Doch das hat sich geändert.
Hochpathogene aviäre Influenza (H5N1) hat das antarktische Festland erreicht. Forscher haben Infektionen bei folgenden Tieren bestätigt:
Antarktische Kormorane
Kelpmöwen
Zwei Pinguinarten
Seehunde
In einigen Küstenregionen hat sich eine neue Virusvariante über etwa 900 Kilometer ausgebreitet. Wissenschaftler berichten von einer sehr hohen Sterblichkeit in den betroffenen Kolonien.
Diese Entwicklung zeigt, wie weit die aktuelle Vogelgrippewelle sich ausgeweitet hat.
Warum Pinguine besonders anfällig sind
Pinguine brüten in extrem dichten Kolonien. Tausende von Vögeln stehen während der Brutzeit eng beieinander.
Das schafft ideale Bedingungen für das Virus:
Ständiger physischer Kontakt
Schnelle Übertragung von einem Vogel zum anderen
Kein Platz, um kranke Tiere zu isolieren
Ein weiteres großes Problem ist die Immunität. Die Vogelpopulationen in der Antarktis hatten in der Vergangenheit wenig Kontakt mit H5N1. Das bedeutet, sie haben fast keinen natürlichen Schutz. Ein Ausbruch kann die Populationen innerhalb einer Brutzeit drastisch reduzieren.
Das Virus erweitert sein Wirtsspektrum
Die neue Variante betrifft nicht nur Vögel. Infektionen wurden auch bei Seehunden und Elefantenrobben festgestellt.
Das deutet darauf hin, dass sich das Virus anpasst. Es überwindet Artenbarrieren leichter als zuvor. Wissenschaftler sehen dies als ein ernstes ökologisches Signal.
Die Situation in der Antarktis ist Teil eines breiteren globalen Musters. H5N1 tritt weiterhin in Wildvögeln, Geflügelfarmen und sogar Säugetieren in verschiedenen Teilen der Welt auf.
Warum das in Deutschland und Europa wichtig ist
Die Antarktis mag weit entfernt erscheinen. Aber Zugvögel verbinden Kontinente.
Sie können das Virus über große Distanzen tragen. Das hält den Infektionsdruck in Europa hoch.
Für Geflügelzüchter sind die wichtigsten Punkte klar:
Strenge Biosicherheitsmaßnahmen aufrechterhalten
Kontakt zwischen Geflügel und Wildvögeln einschränken
Hygieneprotokolle konsequent befolgen
Schnell handeln, wenn Symptome auftreten
Die Ereignisse in der Antarktis zeigen, wie hartnäckig und anpassungsfähig das Virus geworden ist.
Die Realität eines Landwirts nach einem Ausbruch
Während sich Forscher auf die Antarktis konzentrieren, haben einige deutsche Landwirte immer noch mit den Folgen jüngster Ausbrüche zu kämpfen.
Im Herbst 2025 verlor der Geflügelzüchter Holger Nöhrnberg in Niedersachsen seine gesamte Herde an aviärer Influenza. Rund 1.100 Legehennen starben oder mussten geschlachtet werden.
Wochenlang stand der Stall leer.
Erster Fall im Landkreis
Sein Betrieb war der erste bestätigte Vogelgrippefall im Landkreis Diepholz. Nach der Diagnose:
Der Betrieb wurde unter Quarantäne gestellt
Alle Hennen wurden geschlachtet
Die Ställe wurden mehrfach desinfiziert
Seit Herbst 2025 wurden in Niedersachsen rund 1,5 Millionen Vögel getötet. Etwa 90 Betriebe waren betroffen. Der Gesamtschaden wird auf rund 36 Millionen Euro geschätzt.
Finanzielle und emotionale Auswirkungen
Die Entschädigung deckte die offiziellen Kosten für das Schlachten und die Reinigung. Allerdings waren die Zahlungen für die Hennen niedriger als ihr üblicher Marktwert.
Ohne Hennen gab es keine Eier zu verkaufen. Das Einkommen stoppte sofort.
Lokale Kunden organisierten eine Spendenkampagne und sammelten mehr als 13.000 Euro. Diese Unterstützung half der Familie in der schwierigsten Zeit.
Nochmals beginnen mit 850 Hennen
Jetzt sind 850 junge Hennen in den Stall eingezogen.
Der Landwirt sagt, es fühle sich gut an, die Tiere wieder zu hören. Die Hennen gewöhnen sich ein und legen bereits ihre ersten Eier. Der Eierautomat wird bald wieder öffnen, pünktlich zur Osterzeit.
Er hat auch erneut eine Bio-Zertifizierung beantragt, die Zugang zur Freilandhaltung erfordert.
Leben mit fortlaufendem Risiko
Der Betrieb befindet sich in der Nähe eines Naturschutzgebiets mit vielen Wildvögeln. Eine permanente Unterbringung im Stall ist für ihn keine Option. Stattdessen nutzt er Unterkünfte und Managementstrategien, um den Kontakt zwischen Wild- und Haushühnern zu reduzieren.
Die Behörden berichten, dass die Infektionszahlen derzeit zurückgehen. Das allgemeine Risiko bleibt jedoch hoch.
Eine globale Herausforderung
Von Pinguinkolonien in der Antarktis bis zu Familienbetrieben in Deutschland bleibt die Vogelgrippe ein globales Problem.
Die Situation zeigt, dass H5N1 nicht langsamer wird. Für Geflügelzüchter ist ständige Wachsamkeit unerlässlich. Prävention, strenge Hygiene und schnelles Handeln sind nach wie vor die besten Mittel gegen das Virus.
Quellen: