JBS streicht sein Netto-Null-Versprechen: Was das für den Fleischhandel bedeutet

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JBS streicht sein Netto-Null-Versprechen: Was das für den Fleischhandel bedeutet

JBS, das weltweit größte Fleischunternehmen, hat seine Klimaneutralitäts- und Entwaldungsstopp-Ziele für 2040 aufgegeben – eine Kehrtwende, die sich auf globale Lieferketten für Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch auswirken könnte.

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Martina Osmak

Director of Marketing

JBS, das weltweit größte Fleischunternehmen, hat zwei seiner wichtigsten Umweltzusagen zurückgenommen. Für Käufer und Verkäufer von Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch ist dieser Schritt ein Signal dafür, wohin sich die Klimaverpflichtungen der Branche entwickeln.

Was JBS geändert hat

In seinem Nachhaltigkeitsbericht 2025, der am 8. Juli veröffentlicht wurde, strich JBS sein Versprechen, bis 2040 „Netto-Null“ zu erreichen. Außerdem entfernte das Unternehmen seine frühere Zusage, die Entwaldung in seinen Lieferketten in Brasilien bis zu festgelegten Terminen zu beenden.

Das Unternehmen hatte das Netto-Null-Versprechen für 2040 erstmals im Jahr 2020 abgegeben. Nun hat es seinen Klimaplan um ein deutlich kleineres Ziel herum neu gestaltet.

Dies hat sich geändert und das ist geblieben:

  • Gestrichen: das Netto-Null-Ziel 2040, das die gesamte Lieferkette des Unternehmens abdeckte.

  • Gestrichen: Reduktionsziele für Scope-3-Emissionen, die von landwirtschaftlichen Betrieben und Zulieferern stammen.

  • Gestrichen: das zeitgebundene Ziel, Entwaldung durch direkte und indirekte Rinderlieferanten vollständig zu beenden.

  • Beibehalten: ein Plan, die direkten Emissionen (Scope 1 und Scope 2) bis 2030 um 30 % und bis 2050 um 70 % zu senken, gemessen gegenüber dem Basisjahr 2019.

Der Haken liegt in den Zahlen. Scope 1 und Scope 2 umfassen Dinge wie Kraftstoffe, Energie und Kältemittel in den JBS-Betrieben. Sie machen nur etwa 2 % bis 3 % der gesamten Emissionen des Unternehmens aus. Scope 3, der nun aus den Zielen herausgenommen wurde, stellt den weitaus größten Teil dar. Dazu gehören Methanemissionen von Rindern und das Roden von Flächen für den Anbau von Tierfutter. JBS meldete im vergangenen Jahr mehr als 184 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent an Scope-3-Emissionen.

Warum JBS sagt, dass es diesen Schritt gegangen ist

JBS sagt, das alte Ziel sei schlicht zu schwer umzusetzen gewesen. Chief Sustainability Officer Jason Weller erklärte, ein Netto-Null-Ziel, das sich über hunderttausende unabhängige Landwirte, über zig Millionen Hektar in Dutzenden von Ländern erstreckt, sei eine „immense“ Herausforderung, für die es keinen einheitlichen Standard zur Messung der Fortschritte gebe.

Das Unternehmen argumentiert, es ziehe sich nicht aus dem Klimaschutz zurück, sondern schärfe seinen Fokus auf Emissionen, die es direkt steuern kann. Kritiker sehen das anders. Aktivisten von Mighty Earth und Greenpeace bezeichneten die Änderung als Rückzug und sagten, die früheren Zusagen hätten dem Unternehmen geholfen, sich ein grünes Image aufzubauen, während es weiter expandierte.

Der größere Zusammenhang

JBS ist kein kleiner Akteur. Das Unternehmen betreibt mehr als 250 Produktionsstätten, vor allem in Brasilien und den Vereinigten Staaten, und beliefert große Abnehmer wie McDon's, Walmart und Tesco. Sein Treibhausgas-Fußabdruck wurde mit dem eines ganzen Landes von der Größe Spaniens verglichen.

Auch das Timing ist wichtig. JBS, dessen Hauptsitz lange in Brasilien war, hat seinen rechtlichen Sitz vor Kurzem in die Niederlande verlegt und seine Aktien im Jahr 2025 an der New York Stock Exchange notiert. Zuvor hatte der Bundesstaat New York das Unternehmen im Jahr 2024 wegen angeblich irreführender Klimaaussagen verklagt. JBS einigte sich im November 2025 und verpflichtete sich, in klimafreundliche Landwirtschaft zu investieren und sein Ziel für 2040 als „Zielsetzung“ statt als feste Zusage zu bezeichnen.

Was das für Fleischkäufer und -verkäufer bedeutet

Für den globalen Fleischhandel ist dies mehr als nur eine PR-Geschichte. Es beeinflusst, wie große Kunden und Aufsichtsbehörden die Produkte bewerten, die durch die Lieferkette laufen.

Händler und Einkaufsabteilungen sollten auf einige Punkte achten:

  • Druck von Käufern: Einzelhändler und Gastronomieketten mit eigenen Klimazielen könnten kritischere Fragen zur CO2-Bilanz und zur Entwaldungsgeschichte des von ihnen bezogenen Fleisches stellen.

  • Regeln bleiben in Kraft: Die Entwaldungsverordnung der Europäischen Union verlangt weiterhin, dass Rindfleisch und andere in den Block verkaufte Waren nicht mit gerodeten Wäldern in Verbindung stehen. Unternehmenszusagen können sich ändern, das Gesetz jedoch nicht.

  • Finanzierung und Reputation: JBS nutzte seine Klimazusagen, um über Sustainability-Linked Bonds günstige Finanzierungen zu erhalten. Eine schwächere Klimageschichte könnte verändern, wie Investoren und Partner den Sektor sehen.

Die Fleischproduktion ist für einen großen Anteil der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, nach einigen Schätzungen rund 16,5 %. Damit bleibt die Branche im Fokus, unabhängig davon, was einzelne Unternehmen zu versprechen beschließen.

Für den Handel ist die praktische Botschaft vorerst einfach. Freiwillige Ziele können sich verschieben, aber Kundenerwartungen und Einfuhrvorschriften zur Entwaldung ziehen weiter an. Verkäufer, die saubere, rückverfolgbare Lieferketten nachweisen können, werden es leichter haben, Zugang zu europäischen und anderen anspruchsvollen Märkten zu erhalten.

Quellen

JBS streicht sein Netto-Null-Versprechen: Was das für den Fleischhandel bedeutet | MeatBorsa Nachrichten