Irische Schweine erzielen Preise über dem EU-Durchschnitt und bringen trotzdem pro Tier Verlust

Published in Market Analysis

Irische Schweine erzielen Preise über dem EU-Durchschnitt und bringen trotzdem pro Tier Verlust

Die irischen Schweinepreise liegen rund 11 Cent/kg über dem EU-Durchschnitt, aber etwa 17 Cent/kg unter den von Teagasc ermittelten Produktionskosten. Unserer Ansicht nach entsteht dadurch in Irland ein Schweinefleischmarkt der zwei Geschwindigkeiten, wobei die 40 %, die exportiert werden, dem größten Risiko ausgesetzt sind.

Profile picture of Martina Osmak

Martina Osmak

Director of Marketing

Die Einschätzung von MeatBorsa

Dieser Abschnitt enthält unsere Interpretation der Zahlen, keine gesicherten Fakten. Die bestätigten Zahlen folgen darunter.

Irland wirkt wie ein sicherer Hafen in einem schwachen europäischen Schweinefleischmarkt, und in einer Hinsicht trifft das zu: Für irische Schweine werden höhere Preise gezahlt als im EU-Durchschnitt. Doch der Preisaufschlag ist gering und fällt kleiner aus als die Lücke zu den Kosten der Schweineaufzucht. Aus unserer Sicht entwickelt sich der irische Schweinefleischmarkt dadurch mit zwei Geschwindigkeiten. Die 60 %, die im Inland verkauft werden, finden bei einer treuen Kundschaft verlässlichen Absatz. Die 40 %, die ins Ausland gehen, müssen mit einem reichlichen europäischen Angebot konkurrieren, und dort sehen wir den größten Druck.

Die Zahlen zeigen auch, dass das Angebot nicht schrumpft. In diesem Jahr wurden mehr Schweine in irischen Betrieben geschlachtet, während weniger lebende Schweine nach Norden, nach Nordirland, gingen. Wir deuten das so, dass mehr Schweinefleisch im irischen Markt verbleibt, während sich die Exportmärkte uneinheitlich entwickeln: China ist rückläufig, Afrika legt zu. Dort, wo irische Exporteure bei der Preisgestaltung mit anderen EU-Anbietern konkurrieren, dürfte unserer Einschätzung nach der niedrigere EU-Durchschnitt das Exportgeschäft prägen. Bei Teilstücken, die die Insel verlassen müssen, wird sich der irische Preisaufschlag nur schwer verteidigen lassen.

Für Käufer außerhalb Irlands geht es praktisch um die Herkunft und die Zusammensetzung der Teilstücke. Irisches Schweinefleisch für den Export könnte zu wettbewerbsfähigeren Preisen angeboten werden, als der Erzeugerpreis vermuten lässt, weil die Verarbeiter Mengen absetzen müssen. Das beschreibt den Angebotsdruck, ist aber keine Zusage für ein bestimmtes Preisniveau.

Was wir annehmen und warum wir falschliegen könnten

  • Wir gehen davon aus, dass das europäische Schweinefleischangebot über den Winter reichlich bleibt, wie Bord Bia erwartet. Sollte ein Seuchenausbruch oder ein starker Produktionsrückgang das Angebot verknappen, könnte sich der EU-Durchschnitt schneller erholen, als wir annehmen.

  • Wir gehen davon aus, dass die irischen Betriebe weiterhin mindestens so viele Schweine verarbeiten wie im Vorjahr. Wenn landwirtschaftliche Betriebe aufgeben und die Schlachtzahlen sinken, würde der von uns beschriebene Angebotsdruck nachlassen. Allerdings dürfte eine solche Reaktion unserer Einschätzung nach erst mit Verzögerung eintreten.

  • Wir gehen davon aus, dass sich die Preise im Exportgeschäft weiterhin am EU-Niveau orientieren. Falls die Nachfrage aus Afrika weiter zunimmt oder sich die chinesischen Käufe erholen, könnte sich dieser Teil des Marktes besser entwickeln, als es der EU-Durchschnitt nahelegt.

  • Wir gehen davon aus, dass die irischen Verbraucher im Inland weiterhin ungefähr im derzeitigen Umfang Schweinefleisch kaufen. Ein stärkerer Rückgang der Verbraucherausgaben würde das Exportgeschäft stärker belasten.

Was die Zahlen tatsächlich aussagen

Irish Farmers Journal berichtete am 28. Oktober, dass die irischen Schweinepreise je nach Klassifizierung überwiegend zwischen 1,65 und 1,72 €/kg lagen. Teagasc beziffert die durchschnittlichen Produktionskosten auf 1,85 €/kg. Damit verlieren einige Betriebe 10 bis 15 Cent je Kilogramm beziehungsweise etwa 8 bis 12 € je Schwein. Die Zeitung schätzte die Verluste der Branche bei durchschnittlich rund 58.000 geschlachteten Schweinen pro Woche auf 450.000 bis 700.000 € wöchentlich.

Ein am 31. Oktober veröffentlichter Artikel von Bord Bia zeichnet das Gesamtbild. Die irischen Preise lagen in den vergangenen fünf Wochen bei durchschnittlich 1,68 €/kg ohne Mehrwertsteuer und damit rund 12 % unter dem Vergleichszeitraum 2025. Der EU-Durchschnitt betrug in diesen Wochen 1,57 €/kg, sodass Irland etwa 11 Cent darüber lag.

Wichtige Zahlen aus dem Artikel von Bord Bia, über die Irish Farmers Journal berichtete:

  • Bis zur Woche mit Ende am 10. Oktober wurden in irischen Betrieben mit Exportzulassung mehr als 2,7 Millionen Schweine verarbeitet, über 110.000 mehr als ein Jahr zuvor (nach unserer Berechnung rund 4 % mehr).

  • Die Exporte lebender Schweine nach Nordirland gingen um 17 % zurück, das entspricht knapp 60.000 Tieren weniger.

  • Die irischen Schweinefleischexporte nach Festlandchina erreichten bis August einen Wert von 50 Millionen €, ein Rückgang um 22 % beziehungsweise 14 Millionen €. Die Exporte nach Afrika stiegen um 19 %.

  • Der Inlandsmarkt nimmt 60 % der irischen Produktion auf, 40 % gehen in den Export.

  • Daten von Kantar zeigen, dass die Verbraucherausgaben für Schweinefleisch im Jahresvergleich um 3 % zurückgingen, gegenüber 5 % bei Rindfleisch und 30 % bei Lammfleisch.

Bord Bia bezeichnet die Aussichten für den Rest des Jahres 2026 als schwierig und erwartet, dass das europäische Angebot reichlich bleibt. Die aktuelle Preisseite von 3tres3 zeigt, wie sich der Gesamtmarkt Ende Oktober entwickelte: Der französische MPF-Schlachtkörperpreis lag am 26. Oktober bei 1,552 €/kg und damit 0,6 % über der Vorwoche, während der spanische Mercolleida-Preis für lebende Schweine am 22. Oktober um 2,5 % auf 1,208 €/kg stieg. Diese Preise beruhen auf anderen Bezugsgrundlagen als die irischen Zahlen und sollten nicht direkt miteinander verglichen werden.

Was wir als Nächstes beobachten

  • Ob sich der wöchentliche irische Schweinepreis der Kostenschwelle von 1,85 €/kg annähert oder sich weiter davon entfernt.

  • Ob die wöchentlichen Schlachtzahlen weiterhin über dem Vorjahr liegen und ob der Handel mit lebenden Schweinen nach Nordirland weiter zurückgeht.

  • Ob sich das Wachstum in Afrika und der Rückgang in China bei den irischen Schweinefleischexporten in den nächsten Daten fortsetzen.

  • Wie sich der EU-Durchschnittspreis im Verhältnis zum irischen Preisaufschlag von etwa 11 Cent entwickelt.

  • Eine Frage, die Leser ihren eigenen irischen Lieferanten stellen könnten: Welcher Anteil ihrer Menge geht an den Inlandsmarkt, und welcher Anteil wird für den Export verkauft?

Quellen

Verluste in der Schweinehaltung steuern auf 700.000 € pro Woche zu - Irish Farmers Journal

Im Fokus: Irischer Schweinesektor zeigt sich auf schwierigen Weltmärkten widerstandsfähig - Irish Farmers Journal (Bord Bia)

Schweinepreise in Europa - 3tres3 / pig333

DG AGRI-Dashboard für Schweinefleisch - Europäische Kommission