Die irischen Rinderpreise werden nach einem sprunghaften Anstieg der Schlachtzahlen gesenkt. Das ist eine Frage des Zeitpunkts, kein Trend

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Die irischen Rinderpreise werden nach einem sprunghaften Anstieg der Schlachtzahlen gesenkt. Das ist eine Frage des Zeitpunkts, kein Trend

Irische Schlachtbetriebe senken ihre Preisangebote für Rinder, nachdem die wöchentlichen Schlachtzahlen Mitte Oktober um 23,6 % gestiegen sind. Unserer Einschätzung nach liegt dies daran, dass früh ausgemästete Rinder auf einmal auf den Markt kommen, und nicht an einer dauerhaften Trendwende bei der Rindfleischnachfrage.

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Martina Osmak

Director of Marketing

Die Einschätzung von MeatBorsa

Dieser Abschnitt enthält unsere Einordnung der Nachrichten, keine gesicherten Tatsachen. Die bestätigten Zahlen stehen im nächsten Abschnitt.

Wir gehen davon aus, dass irische Schlachtbetriebe ihre Preisgebote für Rinder senken, weil innerhalb kurzer Zeit viele Tiere angeliefert wurden, und nicht, weil die Nachfrage nach Rindfleisch nachgelassen hat. Zwei Wochen zuvor war die Lage umgekehrt: Den Betrieben fehlten Tiere, und sie zahlten über den notierten Preisen, um ihre Aufträge erfüllen zu können. Eine Veränderung des Angebots erklärt diesen Umschwung besser als eine veränderte Nachfrage.

Wenn diese Einschätzung zutrifft, sollten Käufer von irischem Rindfleisch in den kommenden Wochen mit niedrigeren Angebotspreisen für Kuhfleisch und Fleisch von Qualitätsrindern rechnen, wobei Kuhfleisch am stärksten nachgeben dürfte. Mit einem dauerhaften Preisrückgang würden wir jedoch nicht planen. Rinder, die bereits im frühen Herbst ausgemästet und verkauft werden, stehen im Winter und im zeitigen Frühjahr nicht mehr zur Verfügung. Wir erwarten, dass das Angebot nach Weihnachten knapper wird und sich die heutigen Preissenkungen rückblickend als Pause in einem Jahr mit knappem Angebot erweisen.

Für die Praxis bedeutet das: Käufer von Verarbeitungsfleisch und Kuhfleisch könnten im November günstigere Einstiegsmöglichkeiten finden. Käufer, die im ersten Quartal 2027 eine kontinuierliche Versorgung mit hochwertigen Teilstücken benötigen, sollten vorsichtig damit sein, auf deutlich niedrigere Preise zu warten.

Was wir annehmen und warum wir falschliegen könnten

  • Wir nehmen an, dass ein früherer Mastabschluss den Anstieg erklärt. Agriland bringt den sprunghaften Anstieg mit einem trockenen Sommer in Verbindung, der Landwirte dazu veranlasste, ihre Rinder früher auszumästen. Sollte die tatsächliche Ursache eine andere sein, etwa dass Landwirte Tiere verkaufen, um Kosten zu decken, könnte das Angebot länger hoch bleiben und die Preise könnten weiter fallen.
  • Wir nehmen an, dass die Weihnachtsnachfrage die Preise für Qualitätsrinder nach unten absichert. Die Schlachtbetriebe suchten weiterhin nach Qualitätsrindern, die den Spezifikationen für das Weihnachtsgeschäft entsprechen. Sollten die Bestellungen des Einzelhandels schwächer ausfallen als erwartet, könnten die Abschläge mehr als 10 bis 20 Cent/kg betragen.
  • Wir nehmen an, dass der Anstieg eine vorübergehende Spitze und kein neues Niveau ist. Die Wochenzahl bezieht sich auf eine einzelne Woche, und die Gesamtzahl seit Jahresbeginn liegt weiterhin leicht unter dem Vorjahreswert. Sollten die Schlachtzahlen in den nächsten Wochen weiterhin deutlich über denen von 2025 liegen, wäre unsere Einordnung als „Pause in einem Jahr mit knappem Angebot“ falsch.

Was die Zahlen tatsächlich aussagen

Die von Agriland am 24. Oktober veröffentlichten Schlachtdaten des irischen Department of Agriculture, Food and the Marine (DAFM) weisen für die Woche bis zum 18. Oktober 34.752 geschlachtete Rinder aus. Das sind 6.643 mehr als in derselben Woche 2025, ein Anstieg um 23,6 %. Bei Ochsen betrug das Plus 22,1 %, bei Färsen 37,5 % und bei Kühen 17,3 %.

Über das gesamte bisherige Jahr liegen die Schlachtzahlen nahezu auf Vorjahresniveau. Die kumulierten Schlachtungen belaufen sich auf rund 1,285 Millionen Tiere gegenüber 1,292 Millionen vor einem Jahr, ein Rückgang um 0,6 %. Agriland weist darauf hin, dass die Schlachtzahlen in der ersten Jahreshälfte 2026 unter und in der zweiten Jahreshälfte über dem Vorjahresniveau lagen. Im Gesamtjahr 2025 wurden 1,59 Millionen Tiere geschlachtet, 213.000 weniger als 2024.

Die Schlachtbetriebspreise sind der Angebotsentwicklung gefolgt. Laut dem wöchentlichen Bericht von Agriland zu den Preisnotierungen der Schlachtbetriebe wurden die Preisgebote für Kühe seit Ende Oktober um bis zu 40 Cent/kg und für Qualitätsrinder um bis zu 20 Cent/kg gesenkt. Die Verarbeiter kaufen zudem strenger nach der Preismaske ein und kürzen einige Rassezuschläge. Für Ochsen werden auf Basis der Preismaske etwa 7,40 €/kg bis zu 7,50 € notiert, für Färsen etwa 7,50 €/kg bis zu 7,60 €. Einige Käufer erwarten weitere Rückgänge, während andere mit einer baldigen Stabilisierung des Marktes rechnen.

Zwei Wochen zuvor sah die Lage anders aus. Am 16. Oktober erklärte die Irish Farmers' Association (IFA), eine Interessenvertretung der Landwirtschaft, die Schlachtbetriebe hätten „Schwierigkeiten, genügend Rinder zu beschaffen, um ihre Aufträge zu erfüllen“, und zahlten 10 bis 20 Cent/kg über den notierten Preisen. Das ist die Darstellung der IFA, die damit für höhere Preise argumentiert. Dieselbe Marktinformation der IFA weist für irische Ochsen (R3, ohne Mehrwertsteuer) in der Woche des 10. Oktober einen Preis von 6,74 €/kg aus, gegenüber 7,23 € ein Jahr zuvor.

Die wichtigsten Zahlen:

  • Wöchentliche Schlachtzahl, Woche bis zum 18. Oktober: 34.752 Tiere, 23,6 % mehr als im Vorjahr (DAFM, über Agriland)
  • Schlachtzahl seit Jahresbeginn: 1,285 Millionen Tiere, 0,6 % weniger als im Vorjahr (DAFM, über Agriland)
  • Preisgebote für Kühe seit Ende Oktober um bis zu 40 Cent/kg und für Qualitätsrinder um bis zu 20 Cent/kg gesenkt (Agriland)
  • Ochsen auf Basis der Preismaske etwa 7,40 bis 7,50 €/kg, Färsen etwa 7,50 bis 7,60 €/kg (Agriland)

Was wir als Nächstes beobachten

Erstens die nächsten zwei oder drei wöchentlichen Schlachtzahlen des DAFM. Bleiben sie deutlich über dem Vorjahr, ist das Angebot der entscheidende Faktor. Kehren sie auf ein normales Niveau zurück, war der Anstieg eine vorübergehende Spitze.

Zweitens, ob die Schlachtbetriebe die Preise für Qualitätsrinder weiter senken oder mit Blick auf Weihnachten stabil halten. Drittens, wie viele Kühe weiterhin angeliefert werden: Agriland weist darauf hin, dass mehr Schlachtkühe verfügbar werden, und die Preisgebote für Kühe sind am stärksten gefallen.

Quellen

Rinderschlachtungen: Rinderangebot 2026 nähert sich dem Vorjahresniveau - Agriland

Preisnotierungen der Schlachtbetriebe: Druck auf die Rinderpreise hält diese Woche an - Agriland

Marktbericht zu Rindern & Schafen vom 16. Oktober - Irish Farmers' Association

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