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Die globalen Fleischpreise erreichen im Juni einen neuen Rekord, aber nicht jede Fleischsorte folgt
Der FAO-Fleischpreisindex erreichte im Juni 2026 ein neues Allzeithoch, angetrieben von steigenden Geflügel- und Schaffleischpreisen, während die Notierungen für Schweine- und Rindfleisch nachgaben.

Martina Osmak
Director of Marketing
Die weltweiten Fleischpreise sind im Juni 2026 auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Doch diese Schlagzeile verdeckt einen geteilten Markt, in dem einige Fleischsorten teurer wurden, während andere weiter fielen.
Fleischpreise erreichen Rekordhoch
Der FAO-Fleischpreisindex lag im Juni nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) im Durchschnitt bei 131,0 Punkten. Das sind 0,5 Punkte bzw. 0,4 % mehr als im Mai und 5,0 Punkte bzw. 4,0 % mehr als vor einem Jahr. Damit erreichte der Index ein neues Allzeithoch.
Der Anstieg war jedoch ungleich verteilt. Geflügel trug den größten Teil dazu bei, unterstützt von Schaffleisch. Gleichzeitig bewegten sich die Preise für Schweine- und Rindfleisch in die entgegengesetzte Richtung.
So entwickelten sich die vier wichtigsten Fleischkategorien im Juni:
Geflügel: Die Preise stiegen, vor allem aufgrund höherer Exportpreise aus Brasilien.
Schaffleisch: Die Preise zogen aufgrund stabiler Nachfrage und knapper Versorgung an.
Schweinefleisch: Die Preise fielen weiter.
Rindfleisch: Die Preise gaben leicht nach.
Warum Geflügel und Schaffleisch gestiegen sind
Geflügel war der größte Treiber des Rekords. Die Exportpreise in Brasilien stiegen angesichts einer starken weltweiten Importnachfrage. Zusätzlich war das Angebot innerhalb Brasiliens vorübergehend knapper, weil die Erzeuger nach einer früheren Phase des Überangebots ihre Produktion zurückgefahren hatten.
Auch Schaffleisch, das die FAO als „ovines Fleisch“ bezeichnet, legte zu. Die Nachfrage blieb robust, während das für den Export verfügbare Volumen begrenzt blieb. Diese Kombination trieb die Weltmarktpreise nach oben.
Warum Schweine- und Rindfleisch gefallen sind
Schweinefleisch entwickelte sich in die entgegengesetzte Richtung. Die FAO verweist auf zwei Hauptgründe: reichliches Angebot in der Europäischen Union und schwache Nachfrage in mehreren asiatischen Märkten. Dies ist derselbe Druck, der europäische Schweinehalter seit Monaten belastet.
Die Rindfleischpreise gaben leicht nach. Niedrigere Notierungen kamen aus Australien, wo im dritten Quartal mehr Ware auf die Exportmärkte gelangen dürfte. Die brasilianischen Rindfleischexportpreise blieben weitgehend stabil, da sich Chinas Importquoten ihrem Limit näherten und die Käufe zu sinken begannen.
Das größere Bild der Lebensmittelpreise
Der Rekord beim Fleisch fiel in eine insgesamt ruhigere Phase für die Lebensmittelpreise. Der breiter gefasste FAO-Lebensmittelpreisindex lag im Juni im Durchschnitt bei 130,3 Punkten, 0,3 % weniger als im Mai. Er lag nur geringfügig über dem Niveau vor einem Jahr und weiterhin deutlich unter seinem Höchststand vom März 2022.
Steigende Preise für Fleisch und Pflanzenöle wurden durch Rückgänge bei Getreide, Zucker und Milchprodukten ausgeglichen. Besonders schwach blieb der Milchsektor, wobei die Käsepreise den elften Monat in Folge fielen.
Boubaker Ben-Belhassen, Direktor der FAO-Abteilung Märkte und Handel, erklärte, dass die einzelnen Rohstoffmärkte weiterhin auf unterschiedliche Kräfte reagieren. Er fügte hinzu, dass in einem unsicheren globalen Umfeld transparente Märkte, zeitnahe Informationen und berechenbarer Handel entscheidend für die Ernährungssicherheit bleiben.
Was das für die kommenden Jahre bedeutet
Ein längerer Zeithorizont deutet darauf hin, dass das Nachfragewachstum abkühlen könnte. Der OECD-FAO Agricultural Outlook 2026-2035 prognostiziert, dass der weltweite Fleischkonsum bis 2035 etwa 412 Millionen Tonnen erreichen wird, ein Anstieg um 12 % gegenüber dem Basiszeitraum.
Der Pro-Kopf-Verbrauch dürfte bis 2035 nahezu 30 kg pro Person erreichen. Dieses Wachstum ist weniger als halb so stark wie im vorangegangenen Jahrzehnt. In einkommensstarken Regionen dürften alternde Bevölkerungen, höhere Preise für rotes Fleisch sowie zunehmende Gesundheits-, Umwelt- und Tierschutzbedenken die Nachfrage bremsen.
Der Ausblick zeigt auch, welche Fleischsorten im kommenden Jahrzehnt am schnellsten wachsen sollen:
Geflügel: der größte Zuwachs, plus 29 Millionen Tonnen (+20 %).
Schaffleisch: plus 3 Millionen Tonnen (+20 %).
Rindfleisch: plus 6 Millionen Tonnen (+8 %).
Schweinefleisch: plus 6 Millionen Tonnen (+4 %).
Worauf Käufer und Verkäufer achten sollten
Für alle, die mit Fleisch handeln, sind die Juni-Daten eine Erinnerung daran, dass ein einzelner Preisindex sehr unterschiedliche Entwicklungen überdecken kann. Verkäufer von Geflügel und Schaffleisch agieren in einem festen Markt, während Käufer von Schweine- und Rindfleisch möglicherweise mehr Verhandlungsspielraum haben.
Wichtige Punkte, die es in den kommenden Monaten im Blick zu behalten gilt:
Die Exportpreise für Geflügel aus Brasilien und wie stark die weltweite Nachfrage bleibt.
Das Schweinefleischangebot in Europa und mögliche Veränderungen beim asiatischen Einkauf.
Die steigenden Rindfleischexporte Australiens im dritten Quartal.
Wie nahe China an die Ausschöpfung seiner Rindfleischimportquoten herankommt.