
Published in Market Analysis
Der Preis für irisches Lammfleisch stagniert bei 8,20 €/kg, und in Nordirland sinkt er bereits
Die irischen Lammfleischpreise liegen seit zwei Wochen unverändert bei rund 8,20 €/kg, während die Basispreise in Nordirland gesunken sind. Unserer Einschätzung nach ist dies eine Verschnaufpause in einem Markt mit knappem Angebot und keine Trendwende.

Martina Osmak
Director of Marketing
Die Einschätzung von MeatBorsa
Dieser Abschnitt enthält unsere Markteinschätzung, keine berichteten Fakten. Die bestätigten Zahlen folgen darunter.
Unserer Ansicht nach hat der irische Lammfleischmarkt ein Plateau erreicht, keinen Höchststand. Die Preisnotierungen liegen seit zwei Wochen bei etwa 8,20 €/kg, und der nordirische Basispreis ist bereits gesunken. Das sieht nach einem Markt aus, der mitten in der herbstlichen Schlachtsaison kurz durchatmet, während sich an der längerfristigen Angebotslage nichts geändert hat.
Dass wir darin keine Trendwende sehen, liegt an der dahinterstehenden Marktstruktur. Die EU ist bei etwa einem Fünftel ihres Verbrauchs an Lamm-, Schaf- und Ziegenfleisch auf Importe angewiesen, die größtenteils aus Neuseeland stammen. Ein Markt mit einer derartigen Unterversorgung aus eigener Erzeugung findet in der Regel schnell eine Preisuntergrenze. Wir erwarten, dass die irischen und britischen Verkäufer im weiteren Herbst nahe am aktuellen Preisniveau bleiben werden. Der Preisrückgang in Nordirland ist dabei der erste Prüfstein für diese Einschätzung.
Bemerkenswert ist das Spannungsfeld zwischen zwei Gruppen von Verkäufern. Die großen Schlachtbetriebe ließen ihre Basisnotierungen unverändert, während kleinere Betriebe und Erzeugergemeinschaften mehr zahlen. Für Lämmer mit demselben Gewicht lassen sich je nach Käufer deutlich unterschiedliche Erlöse erzielen. Unserer Ansicht nach zeigt sich der tatsächliche Markt derzeit in dieser Preisspanne und nicht in der allgemein genannten Notierung.
Was wir annehmen und warum wir falschliegen könnten
Unsere Einschätzung beruht auf drei Annahmen, die alle das Marktverhalten betreffen:
- Das Herbstangebot ist eine saisonale Spitze, keine Schwemme. Wir gehen davon aus, dass die wöchentlich an die Betriebe gelieferten Lämmerzahlen etwa auf dem zuletzt beobachteten Niveau bleiben. Werden mehr Lämmer angeboten als erwartet, könnte aus dem Plateau ein Preisrückgang werden.
- Käufer zahlen weiterhin mehr für bessere Lämmer. Wir gehen davon aus, dass der Aufschlag für gut ausgemästete Lämmer der Handelsklasse U bestehen bleibt. Zahlen die Verarbeiter diesen Aufschlag nicht mehr, würde sich die Preislücke zwischen den Betrieben durch sinkende Spitzenpreise schließen und der Durchschnittspreis fallen.
- Nordirland erlebt nur eine kurzfristige Schwankung. Wir gehen davon aus, dass der dortige Rückgang um 10 bis 15 Pence/kg auf lokale zeitliche Faktoren zurückzuführen war. Folgen Großbritannien und Irland dieser Entwicklung, wäre unsere Einschätzung eines Plateaus falsch.
Wir könnten auch in die andere Richtung falschliegen. Gehen die wöchentlichen Mengen zum Saisonende zurück, müssten die bislang zurückhaltenden Betriebe möglicherweise mehr zahlen, um ihre Schlachtlinien auszulasten. Dann würde das Plateau in einen Preisanstieg übergehen.
Was die Zahlen tatsächlich aussagen
Alle nachfolgenden irischen Zahlen stammen aus den wöchentlichen Schafpreisberichten des Irish Farmers Journal vom 19. und 21. Oktober 2026.
- Die irischen Schlachtbetriebe mit dem höchsten Durchsatz hielten ihre Basisnotierung bei 7,90 €/kg zuzüglich einer Qualitätssicherungsprämie von 20 Cent/kg und damit gegenüber der Vorwoche unverändert.
- Andere Betriebe und Schlachthöfe zahlten 8,20 €/kg bis 8,30 €/kg. Die meisten Erzeugergemeinschaften lagen bei etwa 8,20 €/kg.
- Lämmer mit einem Gewicht von 52 bis 55 kg erzielten auf den Viehmärkten in der Spitze 188 € bis 200 €, gegenüber 177 € bis 186 € dort, wo die Einkäufer der Schlachtbetriebe den Preis bestimmten.
- Schlachtschafe erzielten in auf Mutterschafe spezialisierten Betrieben 5 €/kg und andernorts 4,30 €/kg bis 4,50 €/kg.
- In Nordirland lag der Basispreis nach einem Rückgang um 10 bis 15 Pence/kg in der Vorwoche bei 6,85 £/kg bis 6,90 £/kg (etwa 7,97 €/kg bis 8,03 €/kg). Einige regelmäßige Lieferanten handelten weiterhin Preise über 7 £/kg aus.
- Die Zahl der zur direkten Schlachtung aus Nordirland an irische Betriebe gelieferten Schafe lag bei 3.052 Tieren und damit um knapp 600 niedriger. Die Lieferungen nach Großbritannien beliefen sich auf 812 Tiere, ein Rückgang um mehr als 1.200.
Zur Marktstruktur heißt es auf der Schaffleischseite der Europäischen Kommission, dass Importe etwa 20 % des EU-Verbrauchs an Lamm-, Schaf- und Ziegenfleisch ausmachen, Neuseeland rund 80 % dieser Einfuhren liefert und die Ausfuhren etwa 10 % der EU-Erzeugung entsprechen. Die Kommission führt eine Übersicht zum Schaffleischmarkt mit Datum vom 22. Oktober 2026 auf.
Was wir als Nächstes beobachten
Drei Entwicklungen werden zeigen, ob das Plateau Bestand hat. Erstens, ob der nordirische Basispreis weiter sinkt oder sich auf seinem neuen Niveau stabilisiert. Zweitens, ob die großen irischen Schlachtbetriebe ihre Basisnotierung von 7,90 €/kg ändern, da diese in den von uns ausgewerteten Berichten unverändert geblieben ist. Drittens, ob sich die Lücke zwischen den Preisen der Schlachtbetriebe und den Viehmarktpreisen für ausgemästete Lämmer verkleinert oder vergrößert.
Leser könnten ihren eigenen Lieferanten folgende Fragen stellen: Wie viele ihrer Lämmer werden zur Basisnotierung der Schlachtbetriebe verkauft und wie viele zu den höheren Preisen anderer Betriebe oder Erzeugergemeinschaften? Und wie haben sich die wöchentlichen Mengen gegenüber dem Stand vor einem Monat entwickelt?
Quellen
Schaf- und Ziegenfleisch - Europäische Kommission, Generaldirektion Landwirtschaft